Bei den Grazer Linuxtagen 2019 hielt ich die Keynote über den Zusammenhang zwischen IT-Sicherheit und Freier Software. Die Grazer Linuxtage sind eine der wichtigsten deutschsprachigen Veranstaltungen für GNU/Linux und Freie Software, und die Keynote bot die Möglichkeit, dem gesamten Publikum – von Einsteigern bis zu erfahrenen Entwicklern – zu erläutern, warum Freie und Open Source Software keine Option, sondern eine Voraussetzung für echte IT-Sicherheit ist.
Bei einem internen Vortrag für die deutsche Bundeswehr sprach ich über digitale Souveränität durch Freie Software. Dieser ungewöhnliche Kontext – eine Präsentation vor militärischem Personal – bot die Möglichkeit, die Bedeutung von Softwarefreiheit aus der Perspektive von IT-Sicherheit, strategischer Unabhängigkeit und operationaler Kontrolle zu beleuchten. Für Organisationen, die mit hochsensiblen Daten arbeiten und nationale Sicherheitsinteressen berücksichtigen müssen, sind die Fragen nach Souveränität und Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur besonders dringend.
Alles begann, als mein Mitbewohner Lars und ich uns eines morgens fragten: „Mit wem würden wir lieber ein Bier trinken gehen, Thomas de Maizière oder Jens Lehmann?“.
Zu de Maizière hatten wir beide eine recht eindeutige Meinung, aber bei Lehmann waren wir uns nicht sicher, ob wir uns mit ihm verstehen würden. Lars meinte sich zu erinnern, dass er ein merkwürdiges Gesellschaftsbild hätte, allerdings zeigte ein Blick auf Lehmanns Wikipedia-Artikel, dass er gemeinnützig sehr engagiert ist. Was nun? Würden wir uns mit dem Ex-Nationaltorwart bei einem gemütlichen Bier gut verstehen oder schon nach wenigen Minuten in einer heftigen Diskussion über Geschlechterbilder enden?
Bei den Chemnitzer Linuxtagen 2017 warnte ich vor der EU-Funkabschottungs-Richtlinie und ihren Auswirkungen auf die Freiheit unserer Geräte. Die Chemnitzer Linuxtage ziehen ein technisch versiertes Publikum an, das oft alternative Betriebssysteme nutzt, Router selbst konfiguriert und Wert auf Kontrolle über die eigene Hardware legt – genau die Praktiken, die durch diese Richtlinie gefährdet wurden. Der Vortrag machte deutlich, dass scheinbar abstrakte EU-Regulierung sehr konkrete Auswirkungen auf alltägliche technische Freiheiten haben kann.
Seit einiger Zeit arbeiten wir bei der Free Software Foundation Europe (FSFE) mit der Initiative Do-FOSS aus Dortmund zusammen, die dort mehr Freie Software in die öffentliche Verwaltung einbringen möchte. Konkret wird in Dortmund aktuell an dem Masterplan Digitales Dortmund gearbeitet, der „die zukünftige digitale Ausrichtung und die damit verbundenen Veränderungsprozesse an der Schnittstelle von Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft (Bürgerinnen und Bürger, Politik, Vereine, Unternehmen, Wissenschaft)“ beinhaltet.
Seit dem 1. August herrscht – auch dank der langfristigen Arbeit der FSFE – gesetzlich Endgerätefreiheit in Deutschland, sprich alle Kundinnen und Kunden eines DSL- oder Kabelanbieters sollen die Freiheit haben, ein Modem oder Router ihrer Wahl anzuschließen, ohne systematisch benachteiligt zu werden. Doch halten die Anbieter das wirklich ein? Die FSFE testet das mit Hilfe großartiger Freiwilliger, denen wir alternative Testgeräte zuschicken. Und davon sind aktuell wieder ein paar verfügbar und warten auf neue Tester!
Heute war ich beim Deutschlandfunk zu einer Radiosendung über den Routerzwang eingeladen. Wir haben etwa eine Stunde lang darüber geredet, warum es so wichtig ist, dass wir seit dem 1. August endlich Routerfreiheit in Deutschland haben, was das für Verbraucher bringt und welche Fragen noch ungeklärt sind.