Bei den Chemnitzer Linuxtagen 2017 warnte ich vor der EU-Funkabschottungs-Richtlinie und ihren Auswirkungen auf die Freiheit unserer Geräte. Die Chemnitzer Linuxtage ziehen ein technisch versiertes Publikum an, das oft alternative Betriebssysteme nutzt, Router selbst konfiguriert und Wert auf Kontrolle über die eigene Hardware legt – genau die Praktiken, die durch diese Richtlinie gefährdet wurden. Der Vortrag machte deutlich, dass scheinbar abstrakte EU-Regulierung sehr konkrete Auswirkungen auf alltägliche technische Freiheiten haben kann.
Ich erklärte, wie die Radio Equipment Directive (RED) unter dem Vorwand der Frequenzregulierung genutzt werden könnte, um Geräte komplett abzuschotten. Das würde bedeuten: keine alternativen Router-Firmwares mehr, keine Custom ROMs auf Smartphones, keine Modifikation von Software auf allem, was WLAN oder Mobilfunk nutzt. Die Präsentation zeigte technische Details, wie solche Lockdowns implementiert werden könnten, welche Geräte betroffen wären, und warum die Argumente für diese Einschränkungen nicht überzeugend waren – echte Compliance ließe sich auch ohne komplette Gerätesperre erreichen.
Das Publikum reagierte mit berechtigter Sorge, denn viele Anwesende nutzen genau die Freiheiten, die bedroht waren. Die Diskussion fokussierte sich auf konkrete Schritte: wie man sich politisch engagieren kann, welche Rolle Hersteller spielen könnten, und welche technischen Gegenmaßnahmen möglich wären. Der Vortrag war Teil einer breiteren Kampagne der FSFE, um Bewusstsein für diese Bedrohung zu schaffen und politischen Druck aufzubauen.
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